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Gentest BRCA1-Gen und Ovarektomie

Frauen mit Östrogenrezeptor-negativen Brustkrebs und einer BRCA1-Mutation profitieren von einer vorbeugenden beidseitigen Entfernung der Eierstöcke und Eileiter. (Quelle: Senolog)

Frauen, die eine Keimbahnmutation entweder im BRCA1- oder BRCA2-Gen aufweisen, haben altersabhängig ein Brustkrebsrisiko von bis zu 70%. Wenn sie an einem Brustkrebs erkranken, besteht nicht nur ein erhöhtes Risiko für ein Zweitkarzinom der Brust, sondern auch für die Entwicklung von Eierstockkrebs. Eine vorbeugende beidseitige Entfernung der Eierstöcke und Eileiter wird deshalb Frauen mit einer BRCA1 Mutation ab dem Alter von 35 Jahren empfohlen. Jetzt zeigt sich, dass eine vorbeugende beidseitige Entfernung der Eierstöcke und Eileiter auch Auswirkungen auf die Überlebensrate bei Frauen mit BRCA-assoziierten Brustkrebs hat (Effect of Oophorectomy on Survival After Breast Cancer in BRCA1 and BRCA2 Mutation Carriers. Kelly Metcalfe, JAMA Oncol. Published online April 23, 2015. doi:10.1001/jamaoncol.2015).

Dazu erfolgte eine retrospektive Analyse von 676 mit Brustkrebs (Stadium I oder II) und einer BRCA1- oder BRCA2-Mutation, die bis zu 20 Jahre nach Erhalt einer Diagnose (1975 und 2008) nachverfolgt wurden. Verglichen wurde das Überleben von Frauen mit oder ohne Eierstockentfernung.

Von den 676 Frauen wurden bei 345 nach der Diagnose von Brustkrebs die Eierstöcke entfernt, bei 331 blieben beide Eierstöcke erhalten. Die 20-Jahres-Überlebensrate für die gesamte Patientengruppe betrug 77,4%. Das relative Risiko am Brustkrebs zu versterben reduzierte sich bei Frauen nach einer Eierstockentfernung auf 0,38 für BRCA1 Träger und 0,57 für BRCA2 Träger. Das relative Risiko der Brustkrebs-Mortalität betrug 0,76 für Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs und 0,07 für Frauen mit Östrogenrezeptor-negativem Brustkrebs.

Weitere Informationen zur Therapie beim Ovarialkarzinom (Olaparib, Lynparza) finden Sie hier.

 

Nach der vorliegenden Untersuchung ist die Entfernung der Eierstöcke mit einem eindeutigen Rückgang der Sterblichkeit bei Frauen mit Brustkrebs und einer BRCA1-Mutation verbunden. Demnach sollten Frauen mit Östrogenrezeptor-negativen Brustkrebs und einer BRCA1-Mutation kurz nach der Diagnose über die Risiken aufgeklärt werden und sich ggf. die Eierstöcke entfernen lassen. (Quelle: Senolog)

Weitere Informationen über die Möglichkeiten einer molekulargenetischen Diagnostik (Gentest) bei familiärem Mamma- und Ovarialkarzinom informieren möchten finden Sie hier oder über die Möglichkeiten einer genetischen Beratung bei erblichem Eierstockkrebs können Sie sich hier informieren.

Senolog – Senologie im Dialog – ist ein unabhängiges, werbefreies Informationsportal des Mammazentrums Hamburg am Krankenhaus Jerusalem für Patientinnen, Angehörige und Interessierte sowie für Ärztinnen und Ärzte mit besonderem Interesse an der Senologie. Den Link zum Informationsportal finden Sie hier. Senolog wird von unserer Fachärztin für Humangenetik Frau Dr. med. Usha Peters mit ihrer Expertise bei der Recherche in der Rubrik Genetik und Molekularbiologie unterstützt.