Analyten Molekulargenetik

Karzinom, Mamma und Ovar

OMIM: 113705, 600185, 602774, 602954, 610355, 604373, 605882
Diagnostik:

Basispanel (<25kb) Sequenzierung und CNV: BRCA1, BRCA2, BRIP1, CHEK2, RAD51C, RAD51D, PALB2 - Erweiterte Diagnostik (>25kb) Sequenzierung und CNV: ATM, BARD1, BRCA1, BRCA2, BRIP1, CDH1, CDKN2A, CHEK2, EPCAM, MLH1, MSH2, MSH6, NBN, PALB2, PMS2, POT1, PTEN, RAD51C, RAD51D, STK11, TP53

Material:

2 ml EDTA-Blut (2 Röhrchen)

Analysezeit: 6 - 8 Wochen
Formulare:  

Das Mammakarzinom („Brustkrebs“) ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 60.000 Frauen an Brustkrebs. Das Risiko jeder Frau, bis zum 85. Lebensjahr an Brustkrebs zu erkranken, beträgt ca. 12% (1 von 8 Frauen). Bei etwa 20% der erkrankten Frauen findet sich eine familiäre Häufung. Etwa 5-10 % der Brustkrebserkrankungen sind monogen erblich, d.h. die Erkrankung wird durch Veränderungen in einem Gen verursacht (Gentest Brustkrebs/Eierstockkrebs).

An einem Ovarialkarzinom („Eierstockkrebs“)  erkranken deutschlandweit pro Jahr aktuell circa 9000 Frauen. Mindestens 10-15% aller Ovarialkarzinome werden durch genetische Veränderungen bedingt. Das Tumordispositionssyndrom “Familiär erblicher Brust- und Eierstockkrebs” mit Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA 2 stellt mit Abstand die häufigste erbliche Ursache dar. In ca.25% liegen Mutationen in anderen Genen, darunter auch in den Erbanlagen für den erblichen Darmkrebs, die HNPCC, zugrunde.

Bei den monogen erblichen Mammakarzinomen wird das Tumorrisiko (nahezu) ausschließlich durch eine angeborene Mutation (= Genveränderung) in einer Erbanlage (= Gen) verursacht. Diese Mutation ist bereits in der ersten Körperzelle eines Embryos vorhanden und wird durch Zellteilung an jede Körperzelle weitergegeben. Eine solche angeborene Mutation bedeutet nicht, dass eine Frau zwingend an einem Karzinom erkrankt, führt jedoch zu einem deutlich erhöhten diesbezüglichen Risiko (s.u.). In manchen Familien treten der erbliche Brust- und Eierstockkrebs als miteinander assoziierte Erkrankungen auf. Gene, deren Mutationen als alleinige Tumorursache ausreichen, werden als Hoch-Penetranz-Gene bezeichnet. Neben den rein erblichen Brustkrebserkrankungen gibt es die multifaktoriell (polygen) bedingten Brustkrebserkrankungen, bei denen erbliche und nicht erbliche Faktoren jeweils nur eine Teilursache darstellen und nur im Zusammentreffen die Erkrankung verursachen.

Basierend auf groß angelegten Studien wurden Einschlusskriterien ermittelt, in welchen Familien eine erbliche Form des Mammakarzinoms wahrscheinlich ist. Ist eines der Kriterien erfüllt, ergibt sich eine Indikation zur genetischen Beratung und ggf. zur genetischen Testung.

Eine genetische Testung kommt bei folgenden Familien in Betracht, wenn:

  • mindestens 3 Frauen an Brustkrebs erkrankt sind; unabhängig vom Erkrankungsalter
  • mindestens 2 Frauen an Brustkrebs erkrankt sind, davon 1 vor dem 51. Lebensjahr
  • mindestens 1 Frau an Brustkrebs und 1 Frau an Eierstockkrebs erkrankt sind
  • mindestens 1 Frau an Brust und Eierstockkrebs erkrankt ist
  • mindestens 2 Frauen an Eierstockkrebs erkrankt sind
  • mindestens 1 Frau an beidseitigem Brustkrebs erkrankt ist;  bei Diagnose jünger 51 Jahre
  • mindestens 1 Frau an einseitigem Brustkrebs erkrankt ist; bei Diagnose jünger 36 Jahren
  • mindestens 1 Mann an Brustkrebs erkrankt ist
  • mindestens 1 Frau mit Triple-negativem Brustkrebs (TNBC) bei Diagnose jünger als 60 Jahre
  • mindestens 1 Frau mit Eierstockkrebs bei Diagnose jünger als 80 Jahre
  • mindestens 1 Frau mit HER2/neu negativem metastasiertem Brustkrebs erkrankt ist

Weist man im Blut einer Frau eine Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen nach, so besteht für diese Frau ein Lebenszeitrisiko (bis zum 85. Lebensjahr) von ca. 45-85%, an Brustkrebs zu erkranken und von 20-55%, an  Eierstockkrebs zu erkranken. Studiendaten zeigen, dass für Frauen mit Hormon unabhängigem Brustkrebs bei nachgewiesener Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen eine Platin haltige Chemotherapie besonders wirksam ist. Die genetische Testung wird daher zunehmend für Therapieentscheidungen herangezogen. Die Gruppe der sog. PARP-Inhibitoren wird bereits als Erhaltungstherapie zur Behandlung des BRCA-positiven Ovarialkarzinoms eingesetzt. Seit kurzem finden PARP-Inhibitoren auch beim fortgeschrittenen Mammakarzinom therapeutische Anwendung.

Frauen mit nachgewiesener Mutation in einem der „Brustkrebs-Gene“ wird eine sog. intensivierte Vorsorge empfohlen. Diese Vorsorge beginnt ab dem 25. Lebensjahr oder in Familien mit noch früher aufgetretenen Erkrankungen 5 Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter in der Familie:

  • alle 6 Monate Abtasten der Brust durch den Frauenarzt
  • alle 6 Monate Brust- und Vaginalultraschall
  • ab dem 40. Lebensjahr alle 12-24 Monate Mammografie
  • alle 12 Monate MRT der Brust (Kernspintomografie) ab dem 25. Lebensjahr bis zum 55./60. Lebensjahr

Die beiden Gene, die den größten Teil der erblichen Brustkrebserkrankungen verursachen, sind die Gene BRCA1 und BRCA2, die für 50-60% aller erblichen Brustkrebserkrankungen verantwortlich sind (siehe auch Schnellanalyse, Fast Track). Neben diesen beiden Genen sind eine Reihe weiterer Gene bekannt, die mit dem Vorliegen eines familiären Brust- und Eierstockkrebs assoziiert sind.

Eine frühzeitige diagnostische Absicherung empfiehlt sich zur Prävention und zur Therapie von betroffenen Genträgern.

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