Analyten Molekulargenetik

Porphyrie, Erythropoetische Protoporphyrie (EPP, FECH-Gen)

OMIM: 177000
Diagnostik:

Sequenzierung und CNV-Analyse
FECH-Gen

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 4-6 Wochen
Formulare:  

Die Erythropoetische Protoporphyrie (EPP) ist eine erbliche Störung des Häm-Stoffwechsels und ist gekennzeichnet durch die Akkumulation von Protoporphyrin in Blut, Erythrozyten und Geweben. Charakteristisch sind die kutanen Zeichen einer im frühen Säuglingsalter nach der ersten Sonnenlichtexposition auftretenden, extrem schmerzhaften Photosensitivität (Photodermatose v. a. der Nase, Ohrmuscheln und des Handrückens mit Erythem und Ödem, in einem Teil der Fälle mit Petechien).

Abhängig von der Dauer der Exposition ist der klinische Verlauf variabel. Es kann zu chronischen, dauerhaften Läsionen der exponierten Haut kommen. EPP-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Cholelithiasis und Episoden mit Verschluss der Gallenwege. Eine chronische Leberfunktionsstörung kann in akute Leberinsuffizienz münden (Cave: akutes Leberversagen in 2 – 3% der Fälle). Eine regelmäßige Kontrolle der Leberfunktion ist daher unerlässlich.

Verursacht wird die EPP durch Mutationen im FECH-Gen, das auf Chromosom 18 (18q21.2-q21.3) kartiert und für die Ferrochelatase, dem letzten Enzym im Biosyntheseweg des Häms kodiert. Die EPP wird in der Regel rezessiv vererbt. Bei fast allen Betroffenen liegt auf einem der beiden Allele die Mutation FECH,c.315-48T>C (traditionelle Nomenklatur: IVS3-48C) vor. In etwa 2% der klinischen Verdachtsfälle einer EPP mit voll ausgeprägtem Krankheitsbild lassen sich Mutationen im ALAS2-Gen (Aminolävulinsäure-Synthetase 2; Xp11.21) nachweisen. Differentialdiagnostisch kann daher auch eine X-chromosomal-dominante Protoporphyrie in Betracht kommen.

Therapeutisch steht der Schutz vor Sonnenlicht  durch geeignete Schutzkleidung im Vordergrund. Seit kurzem ist der Wirstoff Afamelanotid (Handelsname: Scenesse) zugelassen zur Prävention von Phototoxizität bei Erwachsenen mit erythropoetischer Protoporphyrie. Afamelatonid verstärkt die Hautpigmentierung (Eumelanin-Synthese) unabhängig von der Sonneneinstrahlung und verlängert die tägliche Verweildauer im Sonnenlicht ohne Schmerzen. Bei sehr schweren klinischen Verläufen kann eine Leber- und Knochenmark-Transplantation notwendig sein. Im Unterschied zu den anderen Porphyrietypen gibt es bei der EPP keine durch Medikamente ausgelöste akute Krisen.  Im Allgemeinen sind alle Medikamente, die zur Aufrechterhaltung der Gesundheit erforderlich sind, bei der EPP erlaubt.

Indikation:

  • Akkumulation von Protoporphyrin im Blut
  • schmerzhafte Photodermatose mit Erythem und Ödemen
  • schmerzhafte Photodermatose mit Petechien
  • Cholestase unklarer Ursache
  • unklare Leberfunktionsstörungen
  • familiäre Häufung

Eine frühzeitige diagnostische Absicherung empfiehlt sich zur Prävention und zur Therapie von betroffenen Genträgern.

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