Analyten Molekulargenetik

Porphyrie, cutanea tarda (PCT, UROD-Gen)

OMIM: 176100
Diagnostik:

Sequenzierung und CNV-Analyse
UROD-Gen

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 4-6 Wochen
Formulare:  

Die Porphyria cutanea tarda (PCT) ist die häufigste Form der Porphyrie und geht auf Grund einer Akkumulation von Uroporphyrin mit Leber- und Hautschädigungen einher. Der Überschuss an Porphyrinen verursacht eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit der Haut (blasenbildende Photodermatose). Die Erkrankung manifestiert sich in der Regel im Erwachsenenalter zwischen dem 40. und dem 70. Lebensjahr und verläuft chronisch ohne neurologische Symptomatik.

Bereits minimale Traumata führen zur Ausbildung flüssigkeitsgefüllter Blasen oder Bläschen am Handrücken, dem Gesicht, dem Nacken und allen anderen Hautarealen, welche regelmäßig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Die Blasen platzen später und verheilen langsam unter Bildung von Narben und Milien (depigmentierte, weiße, erhabene Flecken). Charakteristisch ist eine erhöhte Vulnerabilität der Haut sowie schlechte Wundheilung (Brüchigkeit/Fragilität der Haut). Es kann zu einer veränderten Hautpigmentierung (Hyper- und Hypopigmentierungen) und Hypertrichose (vermehrtes Wachstum von Härchen auf den Wangen oder der Stirn) kommen, die häufig begleitet wird von einer rosa bis bräunlichen Färbung des Urins. Die Photosensiblität kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Die Akkumulation von Porphyrinen in der Leber führt zu Leberzellschäden, deren klinisches Ausmaß ebenfalls variabel ist. Liegen zusätzlich disponierende Faktoren vor, wie z.B. virale Infektionen (Hepatitis C), eine Eisenüberladung (Hämochromatose), eine Hormonbehandlung (Östrogentherapie) oder ein regelmäßiger Alkoholkonsum, kann es zu schweren Leberschäden kommen. Wie bei jeder chronischen Leberschädigung ist bei der PCT das Risiko für die Entstehung von Leberzirrhose und Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) deutlich erhöht.

Verursacht wird die PCT  durch Mutationen im UROD-Gen, das auf Chromosom 1 (1p34.1) kartiert und für die Uroporphyrinogen-Decarboxylase, dem fünften Enzym im Biosyntheseweg des Häms kodiert. Die PCT wird in der Regel dominant vererbt. Neben der autosomal dominanten Form existiert eine seltenere, schwerer verlaufende, autosomal rezessive Form (hepatoerythropoetische Porphyrie, HEP), die ebenfalls durch Mutationen im UROD-Gen verursacht wird. Klinisch ähnelt die HEP der Kongenitalen erythropoetischen Porphyrie (Morbus Günther).

Therapeutisch steht der Schutz vor Sonnenlicht durch geeignete Schutzkleidung und reflektierende Sonnenschutzsalben (Titaniumdioxid- oder Zinkoxid) im Vordergrund, sowie das Meiden auslösender Noxen wie Alkohol (strikte Alkoholkarenz), orale Kontrazeptiva oder Barbiturate. Schwere Verläufe von PCT werden mit regelmäßigen Aderlässen und/oder der Gabe von niedrig-dosiertem Chloroquin oder Hydrochloroquin therapiert. Im Unterschied zu den anderen Porphyrietypen gibt es bei der PCT  keine durch Medikamente ausgelöste akute Krisen (siehe auch akute intermittierende Porphyrie).  Im Allgemeinen sind daher alle Medikamente, die zur Aufrechterhaltung der Gesundheit erforderlich sind, bei der PCT erlaubt.

Indikation:

  • Akkumulation von Porphyrinen und Porphyrinvorstufen (D-ALA, PBG) im Urin
  • Akkumulation von Uroporphyrin im Urin
  • rosa/braun Färbung des Urins
  • Hautläsionen unklarer Ursache
  • erhöhte Eisenspiegel unklarer Ätiologie
  • unklare Leberfunktionsstörungen
  • familiäre Häufung

Eine frühzeitige diagnostische Absicherung empfiehlt sich zur Prävention und zur Therapie von betroffenen Genträgern.

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