Analyten Molekulargenetik

Neurofibromatose Typ2 (NF2-Gen)

OMIM: 101000
Diagnostik:

Sequenzierung, MLPA
NF2-Gen

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 3-4 Wochen
Formulare:  

Die Neurofibromatose Typ II (NF2) ist eine autosomal-dominant vererbte Tumorerkrankung, die in erster Linie das zentrale Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark, betrifft und daher oft als zentrale Neurofibromatose bezeichnet wird (siehe auch Neurofibromatose Typ 1). Leitsymptom der NF2 ist das, bereits vor dem 30. Lebenjahr auftretende, bilaterale Vestibularisschwannom (früher oft als Akustikusneurinom bezeichnet), ein gutartiger Tumor, der sich, vom VIII. Hirnnerven ausgehend, symmetrisch im Bereich beider Hör- und Gleichgewichtsnerven entwickelt.

Typisch ist neben der Tumorbildung (Neurofibrome, Meningeome, Gliome, Schwannome) eine Trübung der Augenlinse (juveniles subkapsuläres Katarakt). Etwa 10 Prozent der NF2-Patienten können auch einzelne Café-au-lait Flecken haben, Lischknötchen sind selten. Ein Teil der NF2-Patienten fällt durch eine Gangunsicherheit infolge von Gleichgewichtsstörungen auf. Das klinische Erscheinungsbild ist dabei individuell variabel. Bei etwa der Hälfte der Patienten liegt eine Neumutation vor.

Langfristig können die NF2-typischen Tumoren v.a. zu Hörschädigungen (Tinitus und/oder Vertigo (Schwindel) bis hin zu Taubheit), zu Gesichtsnerv-Lähmung (Fazialisparese) sowie zu Schluckstörungen (Dysphagie) oder Stimmbandlähmung (Rekurrensparese) führen. Die Therapie ist symptomatisch und besteht in der operativen Entfernung der Tumoren. Entscheidend ist dabei, das die betreffenden Tumoren rechtzeitig erkannt und entfernt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass operierte Tumoren wieder auftreten (Rezidive).

Die Neurofibromatose Typ 2 wird durch Mutationen im NF2-Gen verursacht, das auf dem langen Arm von Chromosom 22 ( 22q12 ) lokalisiert ist und das Protein Merlin (Synonyme: Schwannomin, Neurofibromin 2) kodiert. Merlin ist ein Aktin-bindendes Protein und gehört zur Familie der Ezrin-Radixin-Moesin-(ERM) Proteine, die die Assoziation von Membranproteinen mit dem Zytoskelett vermitteln.

Für betroffene Patienten mit nachgewiesener Mutation im NF2-Gen, aber auch für enge Verwandte (Kinder, Geschwister etc.) sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll. Sie haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.  Zur Vorbeugung von Komplikationen sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen sowie ggf. präventive bildgebende Untersuchungen wie CT oder auch MRT durchgeführt werden.

Indikation:

  • bilaterales vestibuläres Schwannom
  • positive Familienanamnese für NF2 und einem unilateralen vestibulären Schwannom oder zwei der folgenden Symptome: Meningeome, Gliome, Schwannome, Neurofibrome, Katarakt
  • ein unilaterales  vestibuläres Schwannom mit zusätzlich zwei der folgenden Symptome: Meningeome, Gliome, Schwannome, Neurofibrome, Katarakt
  • Multiple Meningeome (mind. 2) mit zusätzlich einem unilateralen VS oder beliebige zwei der folgenden Symptome: Meningeome, Gliome, Schwannome, Neurofibrome, Katarakt
  • Hörstörungen unklarer Genese
  • Linsentrübung (Katarakt) unklarer Ätiologie
  • Vorliegen von NF2-typischen Tumoren (Neurofibrom, Meningeom, Gliom, Schwannom) in der Regel vor dem 30. Lebensjahr
  • Neurofibromatose Typ 2 in der Familie

Eine frühzeitige diagnostische Absicherung empfiehlt sich zur Prävention und zur Therapie von Betroffenen.

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