Analyten Molekulargenetik

Marfan-Syndrom (FBN1, TGFBR1, TGFBR2)

OMIM: 154700
Diagnostik:

Stufe 1: Mutationsanalyse der Gene FBN1, TGFBR1, TGFBR2
Stufe 2: CNV-Analyse des FNB1-Gens

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 6-8 Wochen
Formulare:  

Das Marfan-Syndrom (MFS) ist die häufigste hereditäre Bindegewebserkrankung und tritt mit einer Prävalenz von ca. 1: 5000 auf. Ursächlich für den klassischen MFS-Typ sind Mutationen im FBN1-Gen, welches für das Matrixprotein Fibrillin 1 kodiert. Fibrillin wird von Fibroblasten sezerniert und stellt neben Elastin und Kollagen einen essentiellen Bestandteil der extrazellulären Bindegewebsmatrix dar.

Pathogene FBN1-Mutationen führen zu einer Störung im Einbau der Mikrofibrillen in die extrazelluläre Matrix. Das Mikrofibrillensystem ist ubiquitär im menschlichen Körper verbreitet, wodurch bei MFS-Patienten eine Vielzahl von Organen insbesondere das Herz- und Gefäßsystem, Augen und Skelett betroffen sein können. MFS folgt einem autosomal-dominaten Erbgang, wobei es sich bei ca. 30% um Neumutationen (de novo Muationen) im FBN1-Gen handelt. Bis zu 95% aller Patienten mit einem klassischen MFS (Diagnose nach Ghenter Kriterien von 1996) besitzen eine pathogene Mutation im FBN1-Gen. Das Erkrankungsalter von MFS-Patienten ist sehr unterschiedlich und die ersten Symptome können in jedem Alter auftreten, wobei das Krankheitsbild sehr variiert und von leichten Marfan-assoziierten Symptomen bis hin zu schweren und rasch fortschreitenden neonatalen Komplikationen führen kann.

Die wichtigsten klinischen Manifestationen beim klassischen MFS-Typ sind:

  1. Kardiale Manifestationen mit Dilatation der Aorta und Mitralklappenprolaps
  2. Ophthalmologische Affektionen mit Linsen-(sub-)luxation
  3. Skelettveränderungen (Skoliose, Pectus carinatum und excavatum)

Die gefährlichste Komplikation und gleichzeitig häufigste Todesursache bei MFS-Patienten ist die akute Aortendissektion. Essentiell ist daher eine frühe Diagnostik, um die Prognose betroffener Patienten zu verbessern. Die Diagnostik basiert hierbei auf dem Nachweis einer Aortendilatation, der typischen ophthalmologisch Zeichen des Phänotyps und dem molekulargenetischen Nachweis einer pathogenen FBN1-Mutation sowie ggf. einer positiven Familienanamnese. Die Behandlung betroffener Patienten erfolgt anschließend durch regelmäßige bildgebende Beobachtungen der Aorta (MRT, CT), der prophylaktischen Gabe von Betablockern und Angiotensin-Antagonisten sowie ggf. prophylaktischem prothetischem Ersatz dilatierter Aortenabschnitte.

Bei 5-25% der Patienten ohne FBN1-Mutation ist eine Mutation in den TGF-beta-Rezeptoren (TGFRB1 oder TFGBR2) nachweisbar, was inzwischen mit dem Marfan-ähnlichen Syndrom assoziiert ist.

 

 

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