Analyten Molekulargenetik

Hämochromatose, Typen 1-5

OMIM: 235200, 613313, 602390
Diagnostik:

Stufendiagnostik:
Stufe 1: Mutationsnachweis p.Cys282Tyr (c.845G>A) und p.His63Asp (c.187C>G)
Stufe 2: Sequenzierung und CNV: FTH1, HAMP, HFE, HFE2, SLC40A1, TFR2 (>25kb)

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: Stufe 1: 1 - 2 Wochen; Stufe 2: 3 - 4 Wochen
Formulare:  

Hereditäre Hämochromatose ist eine häufige autosomal-rezessive Erkrankung des Eisenstoffwechsels, bei der es durch eine erhöhte Eisenresorption im Dünndarm zu einer Eisenakkumulation in verschiedenen Organen (v.a. Leber, Pankreas, Gelenken, Herz, Milz, Hypophyse, Schilddrüse und Haut) mit langfristiger Gewebeschädigung kommt. Das überschüssige Eisen kann zu schweren Krankheiten wie Leberzirrhose, Leberkarzinom, Diabetes (“Bronzediabetes”), Arthritis und Hypogonadismus führen.

Die häufigsten Frühsymptome, die auf das Vorliegen einer Hämochromatose hinweisen können sind: Erschöpfungszustände (Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schwäche), abdominelle Schmerzen, Arthralgien (nicht selten zuerst im Bereich der Hände auffallend), Libidoverlust und Impotenz, Amenorrhoe, Infektanfälligkeit und Kardiomyopathie. Differentialdiagnostisch muss von der hereditären Hämochromatose die sekundäre Hämochromatose abgegrenzt werden, bei der die Eisenüberladung eine Folge anderer Erkrankungen ist.  Wegweisend für den Nachweis einer repräsentativen Eisenüberladung ist die Bestimmung des Serumferritinspiegels und der Transferrinsättigung (>45%). Die Penetranz ist bei Männern höher als bei Frauen.

Die Hämochromatose ist nicht meldepflichtig, daher liegen über die Häufigkeit der Erkrankung keine genauen Zahlen vor. Jeder 10. Mensch ist Anlageträger. Nach wissenschaftlichen Schätzungen kann davon ausgegangen werden, dass in Deutschland über 200.000 Menschen mit einer Hämochromatose leben.

Die Erkrankung kann, wenn sie frühzeitig entdeckt wird, erfolgreich behandelt werden. Durch eine Entfernung von überschüssigem Eisen mit Hilfe therapeutischer Aderlässe (Phlebotomie-Therapie) lassen sich im frühen Verlauf der Krankheit irreversible Organschäden vermeiden und Morbidität und Mortalität deutlich verringern. Ziel der Behandlung ist eine Entleerung der Eisenspeicher. Bei einem Aderlaß von ca. 500 ml werden dem Körper mit allen anderen Blutbestandteilen auch ca. 250 mg Eisen entnommen. Bei regelmäßiger Aderlassbehandlung haben asymptomatische Merkmalsträger eine normale Lebenserwartung. Hämochromatose-Patienten sind daher ideale Blutspender.

Entsprechend der aktuellen Richtlinien* können symptomfreie Hämochromatosepatienten nach Normalisierung ihrer Eisenspeicherwerte und individueller Rücksprache mit dem Spendearzt zur Blutspende zugelassen werden und auch im höheren Alter regelmäßig Blut spenden und damit ihre Prävention der Hämochromatose fortsetzen. Neben einer Aderlass-Therapie stehen mit der Apherese und der medikamentösen Therapie mit Eisenchelatoren zwei weitere Verfahren zur Verfügung.

Indikation:

  • Erstsymptome: Müdigkeit, Lethargie, Infektanfälligkeit
  • Arthritiden
  • Libidoverlust, Impotenz, Infertilität, Amenorrhoe
  • Folgesymptome: Diabetes mellitus (“Bronzediabetes”), Kardiomyopathie, Leberfunktionsstörungen
  • erhöhte Transferrinsättigung (in der Regel über 45%) und erhöhtes Ferritin im Serum.

Bei etwa 81-90% der Patienten mit einer hereditären Hämochromatose lassen sich die beiden Mutationen p.Cys282Tyr (c.845G>A) und p.His63Asp (c.187C>G) im HFE-Gen nachweisen (traditionelle Nomenklatur: C282Y und H63D). Weitere Mutationen im HFE-Gen bzw. in den Genen HFE2, HAMP, TFR2, FTH1 und SLC40A1 sind vergleichsweise selten, führen aber ebenfalls zu dem klinischen Bild einer Hämochromatose (Typ 1, Typ 2a, Typ 2b, Typ 3, Typ 4, Typ 5). Eine frühzeitige diagnostische Absicherung empfiehttp://Typ 4hlt sich zur Prävention und zur Therapie von betroffenen Genträgern.

Stufendiagnostik:

Stufe 1: Hämochromatose Typ 1 (HFE; C282Y, H63D)
Stufe 2: Hämochromatose – Paneldiagnostik (Typ 1, Typ 2a, Typ 2b, Typ 3, Typ 4, Typ 5)

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