Analyten Molekulargenetik

Darmkrebs, serratierte Polyposis (Gene: RNF43, GREM1, MUTYH, PTEN)

OMIM: 617108
Diagnostik:

MUTYH-Gen, PTEN-Gen: Sequenzierung, MLPA
RNF43-Gen: Sequenzierung
GREM1-Gen: MLPA

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 2 - 4 Wochen
Formulare:  

Die serratierte Polyposis (SP; Synonym: sessil serratierte Polyposis, früher auch Hyperplastische Polyposis genannt) ist ein seltenes heterogenes Krankheitsbild, das durch multiple serratierte Polypen im Dickdarm gekennzeichnet ist.

Kolon-Adenome und Karzinom (Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. med. S. Schröder)

Kolon-Adenome und Karzinom

(Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. med. S. Schröder)

Serratierte Läsionen sind Polypen des Dickdarms mit einem speziellen mikroskopischem Erscheinungsbild (charakteristische, sägezahnartige Struktur der Epitheloberfläche), die oft einen überdurchschnittlich großen Durchmesser über 10mm aufweisen, aber auch sessile serratierte Adenome (SSA) und traditionelle serratierte Adenome (TSA) sowie Mischformen. Nach dem bisherigen Kenntnisstand weisen v.a. sessile serratierte Adenome das höchste Potential zur Entartung in Dickdarmkrebs auf, man spricht hier auch vom serratierten Weg der Darmkrebsentstehung. Etwa 15-20% aller kolorektalen Karzinome (CRC) entstehen wahrscheinlich über diesen “serrated pathway”.

Diagnostische Kriterien für das serratierte Polyposis-Syndrom:

  • mind. 5 serratierte Polypen proximal des Sigma, 2 oder mehr davon >10 mm Durchmesser
  • serratierte Polypen proximal des Sigma bei erstgradig Verwandten mit SP
  • mehr als 20 serratierte Polypen unabhängig von der Größe verteilt über das ganze Kolon

Für die Vorsorge werden bei Patienten mit serratierter Polyposis  – abhängig von der Polypenzahl – alle 1 – 3 Jahre eine komplette Koloskopie ab dem 25. Lebensjahr empfohlen. Wenn in diesem Zusammenhang multiple große SSA im proximalen Kolon nachgewiesen werden, kann eine Kolonresektion erforderlich werden. Sofern die Situation weder hierdurch noch endoskopisch bzw. durch Polypektomien zu beherrschen und eine durch den Nachweis von Dysplasien dokumentierte Progression der Polypen zu beobachten ist, wäre nach WHO-Klassifikation – wie bei FAP – eine Kolektomie mit ileorektaler Anastomose zu erwägen.

Die genetischen Ursachen der serratierten Polyposis sind bis heute zum großen Teil noch unbekannt. Bei einigen Patienten lassen sich Mutationen in den Genen RNF43,  GREM1, MUTYH und PTEN nachweisen (siehe auch Cowden-Syndrom oder Darmkrebs, MUTYH assoziierte Polyposis).

Eine frühzeitige diagnostische Absicherung empfiehlt sich zur Prävention und zur Therapie von betroffenen Genträgern.

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