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Brustkrebs erhöht auch das Risiko für Schilddrüsenkrebs

Brustkrebs erhöht das Risiko für einen Zweittumor in der Schilddrüse – aber offenbar auch umgekehrt. Anhand der Ergebnisse einer Metaanalyse von seit 1966 veröffentlichten Studien konnten US-Wissenschaftler das auch beziffern. Das Risiko für ein differenziertes Schilddrüsenkarzinom ist demnach bei Brustkrebspatientinnen höher als bisher gedacht. (Quelle: Ärzte Zeitung, 09.03.2016)

Von mehr als 2800 Publikationen, in denen sich Wissenschaftler mit Zweitmalignomen bei Brust- beziehungsweise Schilddrüsenkrebs beschäftigt haben, haben nun Wissenschaftler um Dr. Sarah M. Nielsen von der Universität Chicago Befunde von fast einer Million Frauen, die primär an Brustkrebs, und von fast 45.000 Patientinnen, die primär an einem Schilddrüsenkarzinom erkrankt waren, ausgewertet (Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2016; 25: 231-138).

Der Auswertung der Studiendaten zufolge hatten Frauen mit Brustkrebs ein um 55 Prozent höheres Risiko, auch noch an einem Schilddrüsenkarzinom zu erkranken, als die übrige Bevölkerung (Odds Ratio [OR]: 1,55; 95%-Konfidenzintervall zwischen 1,44 und 1,67). Bei Patienten mit einem Schilddrüsenkarzinom errechneten Nielsen und ihre Kollegen eine OR von 1,18 (95%-Konfidenzintervall zwischen 1,09 und 1,26).

Worauf jeweils der Zusammenhang beruht, ist noch nicht geklärt. Nielsen und ihre Kollegen vermuten eher einen pathophysiologischen Zusammenhang als etwa einen Verzerrungseffekt, der beim Screening entsteht. So hätten zum Beispiel unter anderem Tierversuche gezeigt, dass Östradiol die Entstehung und Progression von Schilddrüsenkarzinomen fördert. Östrogene förderten wahrscheinlich die Entstehung von Brust- oder Schilddrüsenkrebs als sekundäres Malignom, so die Wissenschaftler. Zudem gebe es Hinweise, dass das Hypophysenhormon TSH sowohl die Entstehung von Brust- als auch von Schilddrüsenkrebs als primäres wie als sekundäres Malignom fördert. Nicht zuletzt könnte Übergewicht für die Karzinogenese von Bedeutung sein, weil es mit erhöhten Östrogenspiegeln einhergeht.

Schließlich haben nach Angaben der Wissenschaftler Populationsstudien ergeben, dass bei der Entstehung des jeweiligen Zweitmalignoms die betroffenen Frauen noch jung waren. Bekanntlich erkranken Patienten mit einer genetischen Suszeptibilität für ein Karzinom bereits in jungen Jahren. Als Verdachtskandidaten haben sich in den letzten Jahren vor allem die Gene PTEN, SDHx und KLLN herausgestellt. Die Suppressorgene sind bereits als Verursacher des Cowden-Syndroms bekannt, das unter anderem mit Adenomen in der Schilddrüse einhergeht.

Auch wenn die Zusammenhänge noch nicht vollständig geklärt sind, plädieren Nielsen und ihre Kollegen dafür, dass Ärzte vor allem adipöse Brustkrebspatientinnen über das erhöhte Schilddrüsenkarzinomrisiko informieren und sie zur Gewichtsreduktion ermuntern sollten. Bei Frauen mit einem Schilddrüsenkarzinom ohne Risikofaktoren für Brustkrebs könne ein früherer Beginn der Mammografie, zum Beispiel bereits mit 40, erwogen werden. (Quelle: Ärzte Zeitung)

 

Weitere Informationen zur molekulargenetischen Diagnostik (Gentest) bei familiärem Brustkrebs, familiärem Schidldrüsenkrebs bzw. bei Verdacht auf das Vorliegen eines Cowden-Syndroms  finden Sie hier und über die Möglichkeiten einer genetischen Beratung können Sie sich hier informieren.