Analyten Molekulargenetik

Prostatakarzinom, familiäres

OMIM: 176807
Diagnostik:

Sequenzierung, CNV-Analyse
Gene: ATM, BRCA1, BRCA2, BRIP1, CDH1, CHEK2, EPCAM, MLH1, MSH2, MSH6, MUTYH, NBN, PALB2, PMS2, PTEN, RAD51C, RAD51D, TP53, HOXB13

Untersuchungsumfang auf Anfrage

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 4 Wochen
Formulare:  

Das Prostatakarzinom (Prostatakrebs) ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 67.000 Männer an Prostatakrebs. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 70 Jahren. Das Risiko im Laufe seines Lebens an einem Prostatakarzinom zu erkranken, beträgt ca. 13% (etwa 1 von 8 Männern) und mit einem Anteil von rund 11 Prozent steht das Prostatakarzinom hinter Lungen- und Darmkrebs an dritter Stelle bei den zum Tode führenden Krebserkrankungen.

Die Symptome von Prostatakrebs treten erst relativ spät auf und sind oft wenig spezifisch. Diese Beschwerden können aber auch z.B. bei einer gutartigen Prostatavergrößerung auftreten. Nur etwa jeder zehnte Mann mit den u.g. Beschwerden hat tatsächlich Prostatakrebs

Mögliche Symptome sind:
  • gehäuftes, aber erschwertes Wasserlassen
  • vermehrter Harndrang in der Nacht
  • Probleme beim Stuhlgang
  • Schmerzen beim Samenerguss
  • Schmerzen im Gebiet der Prostata
  • Erektionsstörungen
  • selten: Blut im Urin oder im Sperma

Da die Erkrankung im Frühstadium symptomlos ist, wird in Deutschland eine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung (Tastuntersuchung, Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA-Test) im Blut) für Männer über 50 Jahren (ab dem 45. Lebensjahr für Männer mit positiver Familienanamnese) angeboten, um die Krebsdiagnose möglichst früh in einem noch heilbaren Stadium zu stellen. Therapeutisch stehen die komplette Entfernung der Prostata (Prostatektomie), die Strahlentherapie oder auch die Hormontherapie sowie die Chemotherapie im Vordergrund.

Die Ursachen von Prostatakrebs sind bisher noch nicht gänzlich geklärt. Als wichtigste Risikofaktoren gelten das Alter und die familiäre Veranlagung. Jüngere Männer, bei denen in der nahen Verwandtschaft Prostatakrebs aufgetreten ist, haben ein erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Je mehr Familienangehörige erkrankt sind und je jünger sie zum Zeitpunkt der Diagnose waren, umso mehr steigt das Risiko für männliche Angehörige, auch Prostatakrebs zu bekommen.

Bei etwa 20% der erkrankten Männer findet sich eine familiäre Häufung. Etwa 5-10 % der Prostatakrebserkrankungen sind monogen erblich, d.h. die Erkrankung wird durch Veränderungen in einem Gen verursacht, wie BRCA1, BRCA2 oder HOXB13. Häufig gehören diese Gene zur Gruppe der DNA-Reparatur-Gene, die mit anderen erblichen Tumordispositionssyndromen, wie z. B. familiärem Brust- und Eierstockkrebs (Gene: BRCA1, BRCA2) oder familiärem Darmkrebs (HNPCC-Gene: MLH1, MSH2, PMS2, MSH6) assoziiert sind. Weist man im Blut eines Mannes eine Mutation im BRCA1– oder BRCA2-Gen nach, so besteht für diesen Mann ein etwa 3,8 bis 8,4-fach erhöhtes Risiko an Prostatakrebs zu erkranken. Träger von HOXB13-Mutationen haben ein Lebenszeitrisiko von 30-60%. Die HOXB13 Mutation G84E wird in ca. 5% der Familien mit familiärem Prostatakrebs nachgewiesen. Bei Vorliegen einer Mutation in einem der HNPCC-Gene oder auch im ATM-Gen ist das Risiko bis zu 4-fach erhöht. Bei einigen Patienten lassen sich auch Mutationen in weiteren Genen wie z.B. CHEK2, BRIP1 oder PALB2 nachweisen. Für bereits bekannte CHEK2 Mutationen wird von einem bis zu 2-fach erhöhten Risiko für Prostatakrebs ausgegangen.

Wichtig: Nicht alle Menschen, die eine Mutation in einem Prädispositionsgen tragen, entwickeln Krebs. Es ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren weitere genetische Ursachen familiärer Prostatakarzinome entdeckt werden.

Neuere Studien weisen darauf hin, dass Patienten mit Prostatakarzinomen und einer Mutation in einem der DNA-Reparatur-Gene, wie z. B. BRCA1, BRCA2, die HNPCC-Gene oder ATM und PALB2 von einer Therapie mit dem PARP-Inhibitor Olaparib (Lynparza) profitieren könnten (siehe auch Olaparib – Erhaltungstherapie beim Ovarialkarzinom).

Eine frühzeitige diagnostische Absicherung empfiehlt sich zur Prävention und zur Therapie von betroffenen Genträgern.

Download (PDF, 1.23MB)

Zusätzliche Downloads:

[jpshare]