Analyten Molekulargenetik

Paragangliom-Phäochromozytom-Syndrom, hereditäres

OMIM: 168000, 605373, 115310
Diagnostik:

Sequenzierung, MLPA
Gene: SDHB, SDHC, SDHD

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 3-4 Wochen
Formulare:  

Bei dem Hereditären Paragangliom-Phäochromozytom-Syndrom (PGL/PCC) handelt es sich um seltene neuroendokrine Tumoren, die als Paragangliome (nicht-chromaffine, extra-adrenale Tumoren, prädominant an der Schädelbasis bis hinunter in den Beckenbereich auftretend) und als Phäochromozytome (Katecholaminproduzierender Tumor der chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks) in Erscheinung treten. Die Hereditären PGL/PCCs machen 30% aller PGL/PCC aus.

Differentialdiagnostisch müssen weitere erbliche Erkrankungen, die mit Paragangliomen/Phäochromozytomen assoziiert sind, ausgeschlossen werden (v.a. Neurofibromatose Typ 1, von Hippel-Lindau-Syndrom, Multiple endokrine Neoplasie Typ 1 und Typ 2). In seltenen Fällen können Mutationen im SDHB-Gen, im SDHC-Gen oder auch im SDHD-Gen zu Gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) führen. Mutationen im SDHB-Gen und im SDHD-Gen sind auch beim Cowden-Like-Syndrom Typ 2 und Typ 3 beschrieben.

Paragangliome sind entweder hypersekretorisch (Paragangliome im Bereich des Abdomen, Becken oder Thorax – Katecholamin sezernierend) oder nichtsekretorisch (Paragangliome im Bereich von Kopf und Nacken). Bei Paragangliomen sympathischen Ursprungs mit konsekutiv vermehrter Katecholamin-Ausschüttung kommt es zu intermittierender oder dauerhafter Hypertonie (Bluthochdruck), episodischen massiven Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen und Palpitationen (Herzrasen, Herzklopfen). Im Verlauf kann es zu hypertensiven Krisen mit akuter Linksherzinsuffizienz (Katecholamin-Myokardiopathie), schweren Herzrhythmusstörungen und Insulten begleitet von permanenten neurologischen Ausfällen kommen.

Bei nichtsezernierenden, parasympathischen Paragangliomen (häufig Glomustumoren, benannt nach ihrem Sitz Glomus caroticum) manifestieren sich wachsende Tumoren, die entweder symptomfrei sind oder einseitigen Hörverlust, pulsatilen Tinnitus, Husten, rauhe Stimme, Völlegefühl im Gaumen, Schluckbeschwerden, Schmerzen und/oder eingeschränkte Beweglichkeit der Zunge verursachen. In etwa 15% der Fälle tritt Malignität auf. Tumoren von Patienten mit SDHB-Gen-Beteiligung entarten häufiger maligne als Tumoren bei Patienten mit Mutationen in den anderen SDHx-Genen. Maligne Phäochromozytome sind selten (ca. 10%).

Verursacht wird das Hereditäre Paragangliom-Phäochromozytom-Syndrom in einem Teil der Fälle durch Mutationen in den Genen des Succinat-Dehydrogenase-Komplexes (SDHB, SDHD oder SDHC-Gen). Die Vererbung folgt einem autosomal-dominanten Erbgang. Neumutationen sind selten, aber in der Literatur beschrieben. Durch die molekulargenetische Untersuchung wird die klinische Verdachtsdiagnose bestätigt.

Therapeutisch steht bei Vorliegen von Paragangliomen des Kopfes und des Halses eine externe Radiotherapie im Vordergrund. Bei Metastasierung werden Chemotherapie und gezielte Radiotherapie empfohlen. Die Therapie des Phäochromozytoms besteht in der Regel in der Resektion des Tumors nach entsprechender Vorbehandlung mit Alpha- und Betablockern zur Blockade der Katecholaminwirkung.

Indikation:

  • frühes Erkrankungsalter (<40 Jahre)
  • Vorhandensein beidseitiger extra-adrenaler oder multipler Tumoren
  • sichere Diagnose eines Phäochromozytoms
  • Vorhandensein maligner Paragangliome
  • erhöhte Katecholamin-Spiegel im Plasma unklarer Ätiologie
  • positive Familienanamnese

Eine frühzeitige diagnostische Absicherung empfiehlt sich zur Prävention und zur Therapie von betroffenen Genträgern.

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