Analyten Molekulargenetik

MODY 5, HNF1B-Gen / Maturity Onset Diabetes of the Young Typ 5

OMIM: 137920
Diagnostik:

Sequenzierung, MLPA
HNF1B-Gen

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 2 Wochen
Formulare:  

Eine besondere Form des nicht insulinabhängigen Diabetes mellitus Typ 2 ist der „Maturity Onset Diabetes of the Young“ (MODY).  MODY ist eine monogen erbliche Form des Diabetes mellitus und entsteht durch Mutationen in mindestens 11 Genen (MODY – 1 bis 11). Klinischen Untersuchungen zufolge sind etwa 1 bis 2 % der Patienten mit Diabetes mellitus an einer Form des MODY-Diabetes erkrankt. Der Literatur nach wird eine hohe Anzahl an MODY-Patienten als Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 fehldiagnostiziert und nicht adäquat therapiert. Etwa 3-5% der MODY-Fälle werden durch Mutationen im HNF1B-Gen (MODY Typ 5) ausgelöst.

Diagnostische Kriterien für die Mehrzahl der MODY 5-Patienten sind: progressive Hyperglykämie im Alter; schlanke Patienten ohne Typ1-Diabetes; Erstmanifestation in der frühen Jugend (zwischen 12-30 Jahren); renale Glukosurie, Auftreten des Diabetes in mehreren Generationen und ein insgesamt schwerer Krankheitsverlauf. Häufige Begleitmanifestationen beim MODY 5 sind Retinopathie und Nierendefekte (Nierenhypoplasie, multizystisch, dysplastische Nieren, Zystennieren und Einzelnieren). Das Vorliegen von Diabetes und Nierenzysten ist auch unter dem Begriff RCAD = Renal Cysts and Diabetes zusammengefasst. Ein Teil der MODY 5-Patienten fällt mit Malformationen der Genitalien (Vaginalaplasien und Uterushypoplasien), Gicht oder Hyperurikämie auf.

Unbehandelt entwickeln sich bei MODY 5-Patienten nahezu alle Spätkomplikationen, wie sie auch bei Typ 2-Diabetikern beschrieben sind (Angiopathie, Neuropathie, Nephropathie). MODY 5-Patienten zeigen eine erhöhte Sensitivität gegenüber Sulphonylharnstoffen und sind in der Regel über einen längeren Zeitraum hinweg mit niedrigen medikamentösen Dosen ohne Insulin-Therapie gut einzustellen.

MODY 5 wird verursacht durch Mutationen im HNF1B-Gen, dass auf Chromosom 17 liegt (17cen-q21.3). Das HNF1B-Gen kodiert den Transkriptionsfaktor TCF2, welcher u.a. in den pankreatischen Beta-Zellen die Transkription von Genen reguliert, die an der Insulin-Produktion und Sekretion beteiligt sind. Liegen Mutationen im HNF1B-Gen vor, kommt es zu einer pathologisch erniedrigten Insulinbildung. Der Erbgang ist autosomal dominant, die Penetranz mit ca. 90% sehr hoch.

Indikation:

  • Manifestationsalter in der frühen Adoleszenz
  • keine GAD- und / oder IA2- Antikörper (Ausschluss Typ 1-Diabetes)
  • Positive Familienanamnese, autosomal-dominante Vererbung
  • Diabetes ohne Adipositas
  • progressive Hyperglykämie im Alter
  • keine Insulin-Resistenz
  • Diabetes und Nierendefekte
  • unklare Malformation der Genitalien

Neueren Studien zufolge sind die genannten Indikationen nicht für alle Falle von MODY zutreffend. So schliessen fehlende Diabetesfälle in der Familie einen MODY nicht aus, da der Diabetes bei den milden Formen häufig nicht erkannt wird. Zudem werden ca. 40% der MODY-Patienten erst nach dem 25. Lebensjahr diagnostiziert. In ca. 8% der MODY-Fälle treten “de novo” Mutatonen erstmals in der Familie auf und ca. 8-9% der unter 30-jährigen MODY-Patienten sind nicht schlank, sondern übergewichtig.

Eine frühzeitige diagnostische Absicherung empfiehlt sich zur Prävention und zur Therapie von betroffenen Genträgern.

 

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