Analyten Molekulargenetik

Hämochromatose Typ 2A (HFE2-Gen)

OMIM: 602390
Diagnostik:

Sequenzierung, MLPA
HFE2-Gen

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 2 Wochen
Formulare:  

Die Hämochromatose Typ 2 (juveniler Typ) ist die früh beginnende und schwerste Form der hereditären Hämochromatose einer Gruppe erblicher Krankheiten mit exzessiver Eisenspeicherung. Die Krankheit manifestiert sich in der Regel bereits im ersten bis zweiten Lebensjahrzehnt. Neben den klassischen Symptomen der Hämochromatose, wie Leberzirrhose, Diabetes mellitus, Hautpigmentierung (“Bronzediabetes”) und Arthropathie, ist die juvenile Form der Hämochromatose v.a. durch schwere Kardiomyopathie und einen hypogonadotropen Hypogonadismus gekennzeichnet. Komplikationen wie z.B. Herzinsuffizienz sind eine häufigere Todesursache.

Therapeutisch stehen eine intensive Aderlass-Therapie, unter Umständen manchmal kombiniert mit Eisen-Chelatbildnern, im Vordergrund. Durch eine frühe und intensive Entfernung von überschüssigem Eisen (Eisendepletions-Therapie) läßt sich die sonst sehr ungünstige Prognose deutlich verbessern. Transferrinsättigung und Ferritinspiegel sind erhöht.

Zwei Typen der juvenilen Form Typ 2A und Typ 2B, beide mit autosomal-rezessiver Vererbung, wurden beschrieben. Am häufigsten ist der Typ 2A mit ursächlichen Mutationen im Hämojuvelin-Gen (HFE2; 1q21). Hämojuvelin ist ein Regulator des Eisenstoffwechsels und beteiligt an der Expression von Hepcidin. Ursache des Typs 2B sind Mutationen im Hepcidin-Gen (HAMP; 19q13).

Hepcidin (hepatic bactericidal protein) fungiert als negativer Regulator der Eisenaufnahme im Darm (Duodenum und Jejunum), des Eisentransports über die Plazentaschranke und der Eisenfreisetzung aus Enterozyten, Hepatozyten und Makrophagen. Eine weitere wichtige Funktion des Hepcidin ist die Regulation des Eisenstoffwechsels im Rahmen chronischer Entzündungen. Das bei Entzündungen vermehrt sezernierte Interleukin-6 führt zu einer Erhöhung des Hepcidinspiegels mit konsekutiver Hemmung der enteralen Eisenaufnahme und Sequestrierung von Eisen in Makrophagen und Hepatozyten. Es kommt zu einer Absenkung der Serum-Eisen-Konzentration und zu einer Wachstumshemmung pathogener Keime.

Mutationen im HFE2-Gen führen zu reduzierten Hepcidin-Spiegeln und damit zu einer verstärkten Eisenaufnahme über den Gastrointestinaltrakt und einer drastisch erhöhten Eisenabgabe aus der Milz.

Indikation:

  • Erstmanifestion i.d.R. vor dem 30. Lebensjahr
  • Transferrinsättigung und Ferritin im Serum stark erhöht
  • Frühsymptome: Erschöpfungssyndrom, Infektanfälligkeit
  • Folgesymptome: Herzinsuffizienz, Kardiomyopathie, hypogonadotroper Hypogonadismus
  • Spätsymptome: ähnlich der Hämochromatose Typ 1, Leberzirrhose, Diabetes mellitus, Hautpigmentierung (“Bronzediabetes”) und Arthropathie
  • erhöhte Transferrinsättigung (in der Regel über 45%) und erhöhtes Ferritin im Serum

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