Analyten Molekulargenetik

Hämochromatose Typ 1 (HFE-Gen)

OMIM: 235200
Diagnostik:

Stufendiagnostik:
Stufe 1: Nachweis der beiden häufigsten Mutationen p.Cys282Tyr (c.845G>A) und p.His63Asp (c.187C>G)
Stufe 2: Sequenzierung und MLPA, HFE-Gen

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 1 - 2 Wochen
Formulare:  

Hereditäre Hämochromatose ist eine häufige autosomal-rezessive Erkrankung des Eisenstoffwechsels, bei der es durch eine erhöhte Eisenresorption im Dünndarm zu einer Eisenakkumulation in verschiedenen Organen (v.a. Leber, Pankreas, Gelenken, Herz, Milz, Hypophyse, Schilddrüse und Haut) mit langfristiger Gewebeschädigung kommt. Das überschüssige Eisen kann zu schweren Krankheiten wie Leberzirrhose, Leberkarzinom, Diabetes (“Bronzediabetes”), Arthritis und Hypogonadismus führen.

Die häufigsten Frühsymptome, die auf das Vorliegen einer Hämochromatose hinweisen können sind: Erschöpfungszustände (Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schwäche), abdominelle Schmerzen, Arthralgien (nicht selten zuerst im Bereich der Hände auffallend), Libidoverlust und Impotenz, Amenorrhoe, Infektanfälligkeit und Kardiomyopathie. Differentialdiagnostisch muss von der hereditären Hämochromatose die sekundäre Hämochromatose abgegrenzt werden, bei der die Eisenüberladung eine Folge anderer Erkrankungen ist.  Wegweisend für den Nachweis einer repräsentativen Eisenüberladung ist die Bestimmung des Serumferritinspiegels und der Transferrinsättigung (>45%)

Die Hämochromatose ist nicht meldepflichtig, daher liegen über die Häufigkeit der Erkrankung keine genauen Zahlen vor. Jeder 10. Mensch ist Anlageträger. Nach wissenschaftlichen Schätzungen kann davon ausgegangen werden, dass in Deutschland über 200.000 Menschen mit einer Hämochromatose leben.

Die Erkrankung kann, wenn sie frühzeitig entdeckt wird, erfolgreich behandelt werden. Durch eine Entfernung von überschüssigem Eisen mit Hilfe therapeutischer Aderlässe (Phlebotomie-Therapie) lassen sich im frühen Verlauf der Krankheit irreversible Organschäden vermeiden und Morbidität und Mortalität deutlich verringern. Ziel der Behandlung ist eine Entleerung der Eisenspeicher. Bei einem Aderlaß von ca. 500 ml werden dem Körper mit allen anderen Blutbestandteilen auch ca. 250 mg Eisen entnommen. Bei regelmäßiger Aderlassbehandlung haben asymptomatische Merkmalsträger eine normale Lebenserwartung. Hämochromatose-Patienten sind daher ideale Blutspender.

Entsprechend der aktuellen Richtlinien* können symptomfreie Hämochromatosepatienten nach Normalisierung ihrer Eisenspeicherwerte und individueller Rücksprache mit dem Spendearzt zur Blutspende zugelassen werden und auch im höheren Alter regelmäßig Blut spenden und damit ihre Prävention der Hämochromatose fortsetzen. Neben einer Aderlass-Therapie stehen mit der Apherese und der medikamentösen Therapie mit Eisenchelatoren zwei weitere Verfahren zur Verfügung.

Indikation:

  • Erstsymptome: Müdigkeit, Lethargie, Infektanfälligkeit
  • Arthritiden
  • Libidoverlust, Impotenz, Infertilität, Amenorrhoe
  • Folgesymptome: Diabetes mellitus (“Bronzediabetes”), Kardiomyopathie, Leberfunktionsstörungen
  • erhöhte Transferrinsättigung (in der Regel über 45%) und erhöhtes Ferritin im Serum.

Je nachdem, welches Gen betroffen ist, unterscheidet man verschiedene Typen der Hämochromatose (Typ 1-4). In Deutschland ist die Hämochromatose Typ 1 die zahlenmäßig bedeutsamste Form, hier ist das sogenannte HFE-Gen auf Chromosom 6p21.3  betroffen.

85-90% aller Patienten mit Hämochromatose sind homozygot für die Mutation p.Cys282Tyr im HFE-Gen. Dieser Genotyp hat keine vollständige Penetranz: Obwohl die überwiegende Mehrheit der Merkmalsträger im Laufe des Lebens auffällige Eisenserumparameter entwickelt, erkrankt nur ein Teil der homozygoten Genträger an einer klinisch manifesten Hämochromatose. Die Penetranz ist bei Männern höher als bei Frauen.

Etwa 3-5% aller Patienten mit Hämochromatose weisen eine Kombination von zwei Mutationen im HFE-Gen auf (p.Cys282Tyr und p.His63Asp; Compound-Heterozygotie). Die Penetranz ist gering, da nur ca. 1-2 % der Menschen mit diesem Genotyp erkranken (Rochette et al., 1999). Der Nachweis dieses Genotyps bei symptomatischen Patienten kann als Bestätigung einer HH angesehen werden, wenn eine sekundäre Hämochromatose ausgeschlossen werden kann.

Stufendiagnostik:

Stufe 1: Nachweis der beiden häufigsten Mutationen p.Cys282Tyr (c.845G>A) und p.His63Asp (c.187C>G)

Stufe 2: Komplettsequenzierung HFE-Gen zum Nachweis seltener Mutationen, MLPA-Analyse zum Nachweis größerer Deletionen/Duplikationen

Eine frühzeitige diagnostische Absicherung empfiehlt sich zur Prävention und zur Therapie von betroffenen Genträgern.

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