Analyten Molekulargenetik

Darmkrebs, Juvenile Polyposis (SMAD4-Gen, BMPR1A-Gen)

OMIM: 174900
Diagnostik:

Sequenzierung, MLPA
SMAD4-Gen, BMPR1A-Gen

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 3 - 4 Wochen
Formulare:  

Die Juvenile Polyposis (JPS) ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung des Gastrointestinaltrakts (GI) und gehört neben dem Peutz-Jeghers-Syndrom und dem Cowden-Syndrom zur Gruppe der hamartomatösen Polyposis Syndrome. Die Erkrankung manifestiert sich in der Regel im frühen Kindes- und Jugendalter durch eine chronische gastrointestinale Blutung mit Anämie oder eine exsudative Gastroenteropathie mit Hypoproteinämie und konsekutiver Entwicklungsverzögerung, kann sich aber auch bei sehr schweren frühmanifesten Verläufen bereits im Kleinkindesalter bemerkbar machen. 

Charakterisiert wird die JPS durch das Auftreten juveniler (hamartomatöser) Polypen (> 5 im kolorektalen Bereich bis zu multiplen im gesamten GI-Trakt). Am häufigsten treten die Polypen im Kolorektum auf. Seltener sind Magen, Duodenum oder Ileum betroffen. Polypen sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut. Sie sind meist gutartig, können sich jedoch zum Karzinom entwickeln. Etwa 10-50% der Patienten entwickeln Kolonkarzinome, Magenkarzinome, Tumoren des Gastrointestinaltrakts oder Pankreaskarzinome. Die histopathologische Abgrenzung zu anderen Krankheitsentitäten wie z.B. dem Cowden-Syndrom oder der hyperplastischen Polyposis kann aufgrund morphologischer Ähnlichkeiten schwierig sein. Die Abgrenzung erfolgt daher oft nicht histologisch, sondern durch das extraintestinale Tumorspektrum und die Molekulargenetik. Differentialdiagnostisch müssen v.a. das Peutz-Jeghers Syndrom und Cowden-Syndrom ausgeschlossen werden.

Kolon-Adenome und Karzinom (Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. med. S. Schröder)

Kolon-Adenome und Karzinom

(Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. med. S. Schröder)

In etwa einem Viertel der Fälle tritt die Erkrankung neu auf, in Form eines sporadisch auftretenden Krankheitsbildes. Ca. 75% der Patienten haben eine positive Familienanamnese. Bei etwa 40-60% der klinisch sicher betroffenen JPS-Familien Patienten lässt sich eine Mutation im SMAD4-Gen oder im BMPR1A-Gen identifizieren. Die Wahrscheinlichkeit als Anlageträger zu erkranken, ist altersabhängig und ab dem 50. Lebensjahr nahezu 100% (nahezu vollständige Penetranz). Eine frühzeitige Diagnose ist daher wichtig, da das erhöhte Tumorrisiko bereits im Kindes- und Jugendalter besteht und regelmäßige endoskopische Kontrollen erfolgen sollten.

Das SMAD4-Gen ist ein Tumorsuppressorgen und kartiert auf Chromosom 18q21.1. SMAD4 spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation der Signaltransduktion von TGFß (Transforming Growth Factor ß) und BMP (Bone Morphogenetic Protein). Das BMPR1A-Gen kodiert einen Typ I Serin-Threonin-Kinase-Rezeptor der TGFβ-Superfamilie und ist auf dem langen Arm von Chromosom 10 (10q22.3) lokalisiert. In seltenen Fällen lassen sich Mutationen im SMAD4-Gen auch bei der hereditären hämorrhagischen Teleangiektasie (Morbus Osler-Rendu-Weber) nachweisen.

Indikation:

  • > 5 juvenile Polypen (JP) im Kolorektum
    oder
  • multiple JP im gesamten GI-Trakt
    oder
  • ein und mehr JP bei positiver Familienanamnese für familiäre juvenile Polyposis

Die Vorsorgeempfehlung für Menschen mit juveniler Polyposis lautet:

  • regelmäßige endoskopische Kontrollen (Koloskopie und Ösophagogastroduodenoskopie) ab dem 10.-15.  Lebensjahr, Untersuchungsintervall: 1-3 Jahre
  • ergänzende Untersuchungen sind die Überwachung von Blutbild und abdominaler Symptomatik und ggf. das Screening auf vaskuläre Malformationen.

Einen zum Thema Darmkrebs passenden Artikel aus dem Hamburger Ärzteblatt (Autoren: Prof. Dr. med. Sören SchröderFrau Dr. med. Usha Peters, Dr. Dr. habil. Martin Keuchel) möchten wir Ihnen hier vorstellen:

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Zusätzliche Downloads:

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