Analyten Molekulargenetik

Cowden-Syndrom (PTEN-Gen)

OMIM: 158350
Diagnostik:

Sequenzierung, MLPA
PTEN-Gen

Material:

2 ml EDTA-Blut

Analysezeit: 2 Wochen
Formulare:  

Das Cowden Syndrom ist eine, autosomal dominant vererbte, seltene Form einer hamartomatösen Polyposis, die bei ca. 80% der Patienten verursacht ist durch eine Keimzellmutation in dem Tumorsuppressor-Gen PTEN. Andere PTEN-abhängige Polyposis Syndrome sind das Lhermitte-Duclos-, Bannnayan-Riley- Ruvalcaba und vermutlich das Proteus Syndrom.

Beim Patienten mit Cowden Syndrom können hamartöse Veränderungen in nahezu allen Organen auftreten, vor allem im Bereich der Haut und im Gastrointestinaltrakt. An der Haut findet man Trichilemmome sowie papullomatöse Veränderungen. Die hamartösen Polypen können im gesamten Gastrointestinaltrakt auftreten. 60-90% der Patienten weisen Polypen im Bereich des Colons auf. Die Anzahl der Polypen ist dabei sehr variabel. Auch im oberen Gastrointestinaltrakt finden sich charakteristische Veränderungen wie z.B. eine glykogenische Akanthosis mit grau-weißen Plaques am unteren Ösophagus. Gutartige Veränderungen der Schilddrüse werden bei ca. 75% aller Patienten beschrieben, z.B. Adenome, Hamartome, Struma oder eine Hashimoto Thyreoiditis.

Die Hälfte aller betroffenen Frauen haben gutartige Veränderungen der Brust. Auch Leiomyome der Gebärmutter sind typische Veränderungen. Es besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung maligner Tumore der Brust, Schilddrüse und des Endometriums. Das Lebenszeitrisiko für ein Mamma-Karzinom liegt bei 50% mit einem Durchschnittserkrankungsalter von 36-46 Jahren. Zum Teil werden die Mamma-Karzinome innerhalb von fibrösen, hamartösen gutartigen Veränderungen nachgewiesen. Daher ist eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung hinsichtlich der Brüste, insbesondere bei Nachweis gutartiger Veränderungen dringlich zu empfehlen. Ähnlich wie bei anderen Formen des erblichen Mamma-Karzinoms hat sich das Brust-MRT vor allem bei jüngeren Patientinnen als die Untersuchung mit der höchsten Sensitivität und Erkennungsrate erwiesen. Ein Brust-Ultraschall sowie ein MRT der Brust im Abstand von 6 Monaten ist bei Patientinnen mit Cowden-Syndrom und gutartigen Brustveränderungen zu empfehlen.

Das Lebenszeitrisiko für ein Schilddrüsen-Karzinom (vor allem follikuläre aber auch papilläre Karzinome) liegt bei 10% im Vergleich zu 1% in der Durchschnittsbevölkerung. Das Lebenszeitrisiko eines Endometriumkarzinoms liegt bei 5-10% verglichen mit 2,5% in der Durchschnittsbevölkerung. Die Risiken, im Laufe seines Lebens an einem Nierenzellkarzinom bzw. an einem Melanom zu erkranken, sind ebenfalls deutlich erhöht. Differentialdiagnostisch muss das Cowden-like-Syndrom berücksichtigt werden.

Indikation:

Internationale Diagnostische Kriterien des Cowden Konsortiums:

Pathognomonische Kriterien

  • Lhermitte-Duclos Syndrom im Erwachsenenalter (=dysplastisches Gangliozytom des Cerebellums) *charakterisiert durch eine dysplastische Expansion der Ganglionzellen des Cerebellums
  • Mukokutane Läsionen
  • Faciale Trichilemmome
  • Akrale Keratosen
  • Papillomatöse Läsionen

Hauptkriterien

  • Brustkrebs
  • Schilddrüsen-Karzinom
  • Endometrium-Karzinom
  • Macrocephalie (fronto-okzipitaler Durchmesser über der 97.Perzentile)

Nebenkriterien

  • Gutartige Schilddrüsenveränderungen
  • Hamartome des Gastrointestinaltraktes
  • Lipome
  • Fibrotische Brustveränderungen
  • Fibrotische Gebärmutterveränderungen
  • Fibrome
  • Urogenitale Tumore oder Fehlbildungen

Die Vorsorgeempfehlung für Patienten mit Cowden Syndrom durch das US National Comprehensive Cancer Network 2007 sind:

ab dem 18. Lebensjahr

  • monatliche Selbstabtastung der Brust
  • alle 6 Monate Abtastung durch den Frauenarzt
  • vaginaler Ultraschall alle 12 Monate
  • Endometriumultraschall nach Menopause alle 12 Monate
  • Körperliche Untersuchung alle 12 Monate, v.a. der Schilddrüse und Brust
  • Urinanalyse evtl mit Urinzytologie und Ultraschall alle 12 Monate
  • Hautuntersuchung alle 12 Monate
  • Schilddrüsenultraschall alle 12 Monate

ab dem 30.-35. Lebensjahr jährlich

  • Mammografie, Brust-MRT
  • Endometriumbiopsie
  • Koloskopie alle 5 Jahre, bei Nachweis hamatöser Polypen häufiger

ab dem 40. Lebensjahr

  • Nierenultraschall alle 1-2 Jahre

Bei Nachweis gastrointestinaler hamartöser Polypen sollten regelmäßige Gastroskopien und Koloskopien mit Entfernung der Polypen erfolgen.

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